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Hochbegabte Kinder besitzen eine andere Denkstruktur und benötigen deshalb schon zu Kleinkindzeiten ein Umfeld, das ihnen ermöglicht, sich entfalten zu können. Eltern wissen zunächst sehr wenig über Hochbegabung, aber vor allem auch alle Personen, die in einem Erziehungs- und Fürsorgezusammenhang mit Kindern stehen, haben so gut wie keine Ausbildung zu diesem Thema. Welche Familie geht davon aus, ein hochbegabtes Kind zu haben?
Daher werden den hochbegabten Kindern die gleichen Anforderungen zugemutet wie den normal begabten Kindern. Die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft liegt bei hochbegabten Kindern jedoch wesentlich höher. Schon in den ersten Kindergarten- und Schulzeiten erfahren sie, dass ihre geistigen Fähigkeiten nicht erwünscht sind, und sehr häufig fällt das Wort altklug. Die hochbegabten Mädchen versuchen sich still und/oder verzweifelt der Norm anzupassen, mit der häufigen Folge von psychosomatischen Störungen. Die hochbegabten Jungen neigen eher dazu, ihre Bedürfnisse durch sogenannte "Verhaltensauffälligkeiten" zu zeigen. Nur psychisch sehr stabile Kinder sind in der Lage, sich bemerkbar zu machen. Zu vermuten ist, dass sich stillschweigend ca. 50 % dieser Kinder den Bedingungen des Umfelds anpassen.
Für viele hochbegabte Kinder beginnt mit Eintritt in die Schule ein schleichender Prozeß der Persönlichkeitsveränderung und psychosomatische Störungen behindern oft ihr Leben. Die Unlust wächst, die Motivation, das kleine Leben mitzugestalten, erlischt. Eltern, Erzieher, Lehrer und Psychologen stehen vor einem Rätsel.
Oft aus Unwissenheit werden Therapien verordnet, die die Hochbegabung der Kinder nicht bemerken oder nicht beachten. Zu diesem Thema unausgebildete Psychologen können die anderen Bedürfnisse hochbegabter Kinder auch nur schwer erkennen. Sehr häufig fallen auch die Diagnosen "hyperaktiv" und/oder "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS)". Die Kinder gewinnen den Eindruck, ein Fremdkörper in der Gesellschaft zu sein. Aber gerade für diese Gesellschaft sollen sie sich später einmal einsetzen. Lehrpersonal glaubt an eine falsche Erziehung im Elternhaus, andere gleichaltrige Kinder verstehen die hochbegabten Kinder nicht und lehnen sie oft ab. Der nicht differenzierte Schulstoff ist für hochbegabte Kinder keine Anforderung, und doch müssen sie sich über Monate mit für sie einfachsten Dingen beschäftigen, was häufig zu Lernverweigerungen in der Schule führt. Das Selbstwertgefühl vieler hochbegabter Kinder erleidet erhebliche Einbrüche.
Viele hochbegabte Kinder verlassen als sogenannte Schulversager frühzeitig die Schulen und erreichen somit nicht die Begabtenförderprogramme in späteren Jahren. Ja sie selbst dachten, sie seien dumm und trauen sich die einfachsten Anforderungen nicht mehr zu. Ein Verlust für uns alle!
2 % der Schulkinder (300.000) sind hochbegabt und weitere 8 % (1,2 Mio.) bereits stark in den Schulen unterfordert. Von den 2 % Hochbegabten werden laut wissenschaftlichen Aussagen bis zur gymnasialen Oberstufe 15 % zu Schulversagern = "underachiever". Das sind in Zahlen ausgedrückt immerhin 45.000 Schulkinder! Für die 8 % liegen keine Erkenntnisse vor. Sind diese Kinder es nicht wert, eine geeignete Förderung zu erhalten? Die anderen 85 % passen sich scheinbar ohne Probleme den schulischen Anforderungen an, die überwiegend für normal begabte Kinder konzipiert wurden. Keiner bemerkt, dass auch sie ihr geistiges Potenzial verschleudern!
In ihren normalen Klassengemeinschaften stoßen sie nur selten auf Gleichbefähigte und wirken dort mit ihren Interessen und Ansichten oft wie ein Fremdkörper. Zu schnell begreifen sie, dass sie mit der Mehrheit ihrer Klasse sich gedanklich nicht austauschen können und ziehen sich oft unbemerkt aus der Gemeinschaft zurück. Viele Kinder bauen nur noch Zweckfreundschaften in der Klassengemeinschaft auf, da sie die Wünsche der Eltern und Lehrer erkennen und sie nicht enttäuschen möchten. Insbesondere Mädchen sind mit diesen Verhaltensweisen zu beobachten. Hochbegabte Kinder haben eine sehr hohe soziale Kompetenz, die oft weit über das Alter hinausgeht und deshalb nicht erkannt wird.
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