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Tourismus
Der Fremdenverkehr begünstigt schon seit Jahrzehnten das wirtschaftliche Gedeihen der Bretagne in ganz erheblichem Maße. Das sind nicht mehr jene bescheidenen Dimensionen, wie sie Jaques Tati 1951 in seinem weltberühmt gewordenen Film Die Ferien des Monsieur Hulot karikierte, sondern durchaus stark zu Buche schlagende Erträge. Die touristischen Einrichtungen sichern sich dauerhaft ca. 15000 und saisonal sogar ca. 25000 Arbeitsplätze. Es muß allerdings bedacht werden, daß der Fremdenverkehr überwiegend auf die Gebiete um Saint-Malo, Lannion, Crozon, Pont l´Abbe, Concarneau und Carnac konzentriert ist. Während im Sommer fast alle Ferienhäuser an den Stränden ausgebucht sind, finden sich schon ein paar Kilometer landeinwärts fast reihenweise noch freie Adressen. Diese Umstände weisen zugleich auf jene weitere Unwägbarkeit der touristischen Verhältnisse: die saisonale Eingrenzung. Denn die Strände am Atlantik gewähren in der Regel kaum für länger als zwei oder drei Monate jährlich warm temperierte Badefreuden. Und eine Schlechtwetterperiode im Juni von nur einer Woche Dauer wirkt sich bereits empfindlich auf die Geschäfte der Hoteliers und Gastronomen aus.
Landwirtschaft
Noch um die Mitte des 20. Jh. wurde die Bretagne mit dem italienischen Mezzogiorno verglichen und sogar als “Armenhaus der französischen Nation” bezeichnet. Schuld an der ökonomischen Unterentwicklung, der schlechten Versorgungsqualität und der bevölkerungspolitischen Misere waren sicher kaum die “Pariser Machtmenschen” also solche, wohl aber der von ihnen repräsentierte staatliche Zentralismus. Schwund an Einwohnern, Kapital und Produktivkräften machte den Pariser Ministerien und auch den bretonischen Verwaltungsbehörden unmißverständlich klar, daß größte Gefahr in Verzug sei. 1953 stand in Paris der Plan de modernisation d´équipement et d´aménagement de la Bretagne (kurz: bretonischer Plan) zur Debatte und Entscheidung an. Auf seiner inhaltlichen Grundlage wurde 1956 das erste “staatliche regionale Aktionsprogramm” formuliert, das mittlerweile längst zum Vorbild anderer Randgebiete in Frankreich wurde. Weitere Beschlüsse folgten, deren Bestimmungen umso rascher umgesetzt wurden, je mehr sich Anfang der sechziger Jahre auch öffentliche Bürgerproteste breit machten. Regionalformen erfolgten 1964, 1969 und 1972. Seit den siebziger Jahren setzte sich die wirtschaftliche Weiterentwicklung auf soliden Fundamenten und mit ansehnlichem Niveau fort.
Politik und regionale Realität
Der “bretonsiche Plan” von 1953, die nachfolgenden Reformen und auch das sog. “Programmgesetz” von 1962 haben wirtschaftlich einen bemerkenswerten Strukturwandel nach sich gezogen. Für die an dieselben administrativen Vorhaben geknüpften Raumordnungspläne sind ähnliche Erfolge nur partiell eingetreten. Dank neugeschaffener Arbeitsplätze nahm zwar die Stadtbevölkerung erheblich zu, doch die Abwanderung des ländlichen Raums steht hier nach wie vor als Mahnzeichen gegenüber. Die enorme Verbesserung der Landwirtschaftlichen Erwerbsgrundlagen wurde mit teuren Krediten erkauft, deren Laufzeit für viele Bauern bis weit ins dritte Jahrtausend reicht. Somit wachsen also Hoferben heran, die erhebliche Geldbürden abtragen müssen. Auch die Fischerei hat Jahr für Jahr Probleme, die weder regionale noch nationale Institutionen beeiflussen können, wie zum Beispiel Fangquoten etc. Und die Industriewerke stehen im internationalen Wettbewerb - auf dem europäischen Binnenmarkt - nicht gerade stolz vor sich hin florierend da.
Kurzum: Was die von der Pariser Zentralgewalt in zähem Ringen abgetrotzten Zugeständnisse an Positivem bewirkten, kann in wenigen Jahren schon wieder Makulatur geworden sein. Weder die im Zug derselben “Privilegien” erstarkten Wirtschaftsentwicklungs- und Sozialkomitees noch der Regionalrat verfügen über ausreichende Kompetenzen und Instrumentarien, um die bretonischen Angelegenheiten dauerhaft und eigenständig in den Griff zu bekommen. So kläglich es auch klingen mag: Was in der Bretagne an (politisch oder wirtschaftlich) Wichtigem geschieht oder unterlassen wird, regeln Pariser Autoritäten. Bescheidene Ausnahmen bestätigen leider diese Regel.
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